Domestikationssyndrom beim Hund widerlegt

Das Domestikationssyndrom besagt, dass im Laufe der Zähmung der Haustiere bestimmte Körpermerkmale mit physiologischen und verhaltensbedingter Merkmale gekoppelt auftraten. Es zeigte sich also, dass domestizierte Haustiere eine kleinere Hirngröße hatten, Hängeohren entwickelten, eine erhöhte Folgsamkeit, weniger Pigmentierung und andere Werte bei Hormonen und Neurotransmittern im Vergleich zu ihren ungezähmten Vorfahren aufwiesen. Und stimmt das Domestikationssyndrom beim Hund auch, oder nicht?

Domestikationssyndrom beim Hund

Aussehen, Verhalten und physiologische Parameter hängen zusammen

Diese besonderen Merkmale enthielten außerdem eine verminderte Aggressivität sowie geringere Furch vor den Menschen, ein erhöhter Spieltrieb und ein sozialeres Wesen. Dies ist nicht verwunderlich, denn Aussehen, Verhalten und Hormone liegen genetisch gesehen eng beisammen.

Füchse domestiziert wie Hund

In einem sehr bekannten Versuch wurde diese Domestikation durch Selektion nach freundlichen, sozialen Füchsen nachgespielt. Das Ergebnis waren soziale, spielfreudige gefleckte Füchse mit Hängeohren, die mit dem Schwanz wedelte – ganz genauso, wie es auch beim Hund angenommen wurde.

Stimmt das Domestikationssyndrom beim Hund denn jetzt wirklich?

Wissenschaftler aus Stockholm haben nun untersucht, ob dieses Domestikationssyndrom wirklich gekoppelt auftritt und ob es bei neueren Hundezüchtungen genauso zu finden ist, wie bei den urtümlicheren Hunderasse. Dazu wurden Verhaltensdaten von über 76.000 Hunden mit 78 verschiedene Hunderassen aufgenommen, welche mittels standardisierter Tests aufgenommen wurden, um klare Rückschlüsse ziehen zu können. Dabei waren die unterschiedlichsten Hunderassen von Akita Inu bis hin zu Chihuahua und Mastiff in urtümliche und moderne Hunderassen gegliedert.

Urtümliche und moderne Hunderassen

Die urtümlichen Hunderassen gehören zu einer kleineren Gruppe, bei welchen auch heute noch Wolfsgene nachgewiesen werden können und ungefähr 500 Jahre alt sein sollen. Die modernen Hunderassen haben keine Wolfskomponente mehr und machen heutzutage die Mehrzahl aus. Ihr Ursprung wird als nicht älter als mit 200 Jahren angenommen. Diese Trennung gliedert die Hunderassen in frühe und späte Stadien der Domestikation vom Haushund.

Domestikationssyndrom beim Hund – stimmt nicht mehr bei modernen Hunderassen

Überraschenderweise unterscheidet sich die Korrelation von den angenommenen Verhaltensweisen zwischen den Domestikationsstadien. Das Domestikationssyndrom ist in alten Hundrassen, wie dem Siberian Husky und dem Alaskan Malamute sehr deutlich, aber bei den modernen Hunderassen, wie Golden Retriever und Dalmatiner schwächer. Das zeigt, dass die Kopplung von Verhalten mit anderen Merkmalen im Zuge der Domestikation entkoppelt wurde. Dies könnte daran liegen, dass im Laufe der Zeit mehr Wert auf Fellfarbe, Fellstruktur oder spezifischen Verhalten Wert gelegt wurde.

Fazit – Domestikationssyndrom beim Hund

Das Fazit der Studie kann ganz einfach ausgedrückt werden: Auch Hunde mit Hängeohren können beißen…. Im Laufe der Domestikation haben sich die gekoppelten Eigenschaften anscheinend wieder getrennt. Es sollte daher bei der Zucht von Hunden besonderes Augenmerk auf die inneren Werte gelegt werden. Dabei sollte Aussehen in den Hintergrund gerückt werden und eine freundliche Persönlichkeit und Gesundheit starke Beachtung finden!

Literatur:
Christina Hansen Wheat, John L. Fitzpatrick, Björn Rogell, Hans Temrin. Behavioural correlations of the domestication syndrome are decoupled in modern dog breeds. Nature Communications, 2019; 10 (1) DOI: 10.1038/s41467-019-10426-3

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