Hunde verstehen: Wie kommuniziere ich mit meinem Hund und er mit mir?

Eine Kommunikation mit dem Hund findet ständig statt – durch Körpersprache, Berührungen, Laute und auch Gerüchen. Dabei kommunizieren nicht nur Hunde miteinander, sondern auch mit anderen Tieren und insbesondere uns Menschen. Genauso, wie im Umgang mit einem nicht sprechenden Kleinkind oder einem fremdsprachigen Menschen, versuchen wir Menschen oft unbeholfen dem Hund unsere Wünsche und Absichten klarzumachen. Dies gelingt nicht immer, denn Missverständnisse sind häufig. Was sagt der Hund und wie Hunde verstehen lernen?

Hundesprache: Hund-Hund und Hund-Mensch

Hunde sind durch die Domestikation bestens an uns Menschen angepasst. Die Beziehung und Bindung zu ihnen kann mit der einer zwischen Mutter bzw. Vater und Kind verglichen werden. Die Hunde verwenden in der Kommunikation zu uns Menschen sowohl hundetypische Signale, haben aber auch spezielle Verhaltensweisen an uns angepasst (z.B. Augenkontakt). Genauso sprechen wir über unsere Gesten und allen anderen Kommunikationskanälen mit dem Hund. Dies geschieht oft auch ungewollt, wie zum Beispiel, wenn wir bei Angst Pheromone abgeben, die den Hund nicht entgehen.

Hunde verstehen

Körpersprache beim Hund rassebedingt eingeschränkt!

Der Hund kommuniziert mit anderen Individuen nicht nur über die Stellung der Ohren bzw. Rute, sondern über seinen ganzen Körper – von der Nasenspitze bis zum Schwanzende. Durch Größer machen und Anspannen der Muskeln signalisiert er etwa Angespanntheit bzw. Aufmerksamkeit. Macht er sich klein, versucht er unterwürfig möglichen Stress aus dem Weg zu gehen.  Dabei kommuniziert er seine derzeitige Stimmung und Absichten nach außen.

Der Mensch hat im Laufe der Domestikation das Aussehen der Hunde verändert und damit auch die Fähigkeit zu kommunizieren. Brachyzephale Rassen, also solche mit einer kurzen Schnauze, haben zum Beispiel nicht das volle Repertoire an Gesichtsausdrücken. Hunde mit permanenten Stehohren oder sehr kurzen Ruten haben auch diese Körperteile zur Kommunikation verloren. Langhaarige Hunde können ebenso in der Kommunikation eingeschränkt sein. Körpersignale, wie das Aufrichten der Körperhaare bei Erregung oder sogar das Verdecken von ganzen Körperbereiche, wie Augen, Maul und Beine behindert ihre Körpersprache.

Hundesprache mit der Rute zum Hunde verstehen lernen

  • Mit einer hoch getragenen Rute signalisiert der Hund Selbstbewusstsein bzw. Erregung. Dabei kann er eine positive Erregung kommunizieren, wie zum Beispiel bei der Begrüßung oder Spielaufforderung eines anderen Hundes, aber auch negativ ausgelegt werden. Wenn der Hund sich bedroht fühlt oder Angst hat, ist etwas mehr Anspannung in der Rute.
  • Eine niedrig getragen oder zwischen den Beinen geklemmte Rute signalisiert, dass der Hund Angst hat oder beschwichtigen will.
  • Schwanzwedeln signalisiert nicht immer Freude, sondern kann auch Erregung bedeuten. Eine hoch getragene Rute beim Schwanzwedeln bedeutet etwa Selbstbewusstsein, eine niedrig getragene wedelnde Rute mehr Unsicherheit und kann ängstlich, nervös oder einen inneren Konflikt darstellen. Auch die Richtung vom Schwanzwedeln hat eine Bedeutung: Sieht der Hund etwas erfreuliches (wie etwa den Besitzer) wedelt der Hund mehr nach rechts, sieht er etwas negatives (z.B. einen unbekannten aggressiven Hund) wedelt er eher nach links.

Hundesprache mit den Augen zum Hunde verstehen lernen

  • Starrt der Hund einem anderen Hund direkt in die Augen, droht er ihm damit, weicht er dem Blick aus, versucht er zu beschwichtigen. Auch hier könnten Wissenschaftlern zufolge Farbzeichnungen rund um die Augen eine “Behinderung” darstellen, so etwa die braunen Tupfer über den Augen bei Rottweiler und Dobermann.
  • Weit aufgerissene Augen sind bei negativen und stressigen Situationen zu sehen. Dabei wird das Weiß der Augäpfel sichtbar – dies kann auch für dich selbst ein Hinweis sein. Hast du darauf bei deinem Hund schon einmal geachtet?
  • Ein häufiges Augenzwinkern bzw. Blinzeln kann ebenfalls Unwohlsein ausdrücken.
  • Ein Anstarren des Besitzers – also ein intensiver Blickkontakt zu Herrchen bzw. Frauchen ist etwas ganz anderes. Der Hund sucht oft den Blickkontakt zu seinem Besitzer, wenn er Hilfe von ihm benötigt oder um seine Stimmung abzulesen. Hunde scheinen also im Laufe der Domestikation den menschlichen Blickkontakt als etwas positives angenommen zu haben bzw. ihn für die Deutung dessen Gefühle und Intentionen zu verwenden. Ein häufiger Blickkontakt zwischen Hund und Besitzer kommt außerdem bei einer engen Beziehung öfter vor.
  • Hunde sprechen auch über die Augen mit dem Menschen. So können sie etwa so auffällig etwas ansehen, dass auch der Mensch dort hinblickt und ihm z.B. womöglich das Leckerli aus der Dose holt.

Hundesprache mit den Ohren zum Hunde verstehen

  • Leicht nach hinten gelegte Ohren können ein Beschwichtigungsverhalten signalisieren, sind sie weiter nach hinten gelegt oder ganz nach hinten geklemmt, bedeutet dies Angst oder starke Aggression.
  • Nach vorne gerichtete Ohren bedeuten Aufmerksamkeit und ein Interesse einer Kontaktaufnahme;
  • Seitwärts gerichtete Ohren signalisieren dagegen Unentschlossenheit.

Hundesprache mit dem Maul

  • Je weiter die Lefzen angespannt nach oben-vorne gezogen werden und je mehr Zahnfleisch und Zähne sichtbar werden, umso aggressiver ist der Hund. Dabei formen sich charakteristische Fältchen hinter der Nase.
  • Ein leichtes Abflachen der Lefzen bedeutet Stress. Dieses Kommunikationsmittel des Unwohlseins wird oft übersehen. Dabei werden die Lefzen im Gegensatz zum aggressiven Verhalten nicht nach vorne gezogen, sondern nach hinten gedrückt. Es kann sich dabei bei starker Ausprägung auch ein “C” in den hinten Mundwinkel der Lefzen bilden.
  • Ein Lecken über die Lippen bzw. Nase kann ebenso ein Stressanzeichen sein und wird oft fälschlicherweise damit ausgelegt, dass der Hund seine Nase befeuchtet.

Körpersprache mit dem restlichen Körper

  • Das Heben einer Vorderpfoten kann Unsicherheit bedeuten;
  • Das Wegsehen, Wegdrehen von Kopf und Körper sind weitere distanzvergrößernde Abwehrreaktionen, die oft übersehen und ignoriert werden.
  • Hunde synchronisieren ihr Verhalten mit dem ihres Besitzers. So weichen sie etwa auch Menschen aus, denen sich der Besitzer abwendet. Aber auch eine körperliche Synchronisation ist bei guter Bindung gegeben, wie etwa der Gleichschritt beim Gehen.

Hundesprache über Laute zum besser Hunde verstehen

Das Bellen der Hunde wurde früher als ein funktionsloses Beiprodukt der Domestikation angesehen. Dem ist aber ganz und gar nicht so. Füchse, die mehrere Generationen in Menschenhand gehalten wurden, entwickelten nach und nach ebenfalls ein Bellverhalten gegenüber der menschlichen Pflegern. Hunde versuchen mit ihren Belllauten also situationsbedingt mit uns, genauso wie mit Artgenossen, zu kommunizieren. Ein langgezogenes, tieferes Bellen ist zu hören, wenn ein Fremder sich dem Hund nähert; ein hohes Bellen, wenn der Hund alleine ist. Auch das Knurren wird als Drohung bei Aggression, aber auch beim Spiel eingesetzt. Dabei ist ein kürzeres, höheres Knurren ein Spiellaut.

Andere Kommunikationslaute beim Hund sind:
  • Winseln zur Begrüßung oder um Aufmerksamkeit zu bekommen;
  • Heulen zum Gruppenzusammenhalt;
  • Stöhnen und Schreien bei akuten Stress und Schmerzen;
  • Grunz-Laute bei Freude.

Hunde können den Sinn einiger Worte verstehen und anhand der Tonlage auch bei uns Menschen die Stimmung ablesen. Eine neue Studie zeigte etwa, dass Hunde, die mit einer freudigen Grundstimmung ein Kommando bekamen, folgten und jene mit einer negativen ignorierten. Genauso reagieren wir auf die Beller unserer Hunde mit unterschiedlichen Handlungen.

Hundesprache über Gerüche

Bei uns Menschen sind Gerüche eher untergeordnet bei der (bewussten) Kommunikation. Beim Hund mit einer 10.000 bis 100.000 besseren Riechfähigkeit ist der Geruchssinn hingegen sehr wichtig. Hunde setzen nicht nur mit dem Urin oder Kot Markierungen, sondern auch mit Duftdrüsen am ganzen Körper. Der Hund weiß also beim Spaziergang sehr genau, ob er die Markierung selbst gesetzt hat, der Nachbarshund oder ein fremder. Diese Informationen scheint er sich insbesondere bei der Begrüßung anderer Hunde durch Riechen an Nase, Nacken und Afterregion zu holen.

Besonders unbekannter Urin ist sehr interessant. Nachdem der Urin ausgiebig inhaliert wurde, wird daneben oder direkt darauf selbst markiert. Dabei können Sicht- bzw. Duftmarkierungen durch Scharren am Boden mit den Pfoten unterstützend eingesetzt werden. Diese Geruchsmarkierungen beinhalten mehr Informationen für den Hund, als wir in der Regel vermuten. So zeigte sich etwa, dass Hunde auf Geruchsmarkierungen, welche eine negative Grundstimmung hatten, mit einer erhöhten Herzfrequenz reagierten. Genauso reagieren Hunde auf menschliche emotionsgeladene Gerüche, wie Angst oder Freude mit anderen Verhalten und physiologischen Werten. Hunde können also wirklich mit der Nase “Zeitung” lesen!

Hundesprache mit Körperkontakt

Hunde sprechen mit Berührungen, wenn sie Diskussionen miteinander führen und etwa das Maul des Gegenübers einschüchternd umgreifen oder mit den Pfoten den anderen Hund herausfordernd berühren. Aber auch positive Kontaktaufnahme kommt vor. Sozialer Zusammenhalt entsteht etwa durch enges Zusammenliegen oder das Legen des Kopfes über die Schulter eines anderen Hundes zur Begrüßung. Positive Verhaltensweisen sind ebenfalls das gegenseitige Kraulen durch leichtes, vorsichtiges Beißen, wozu übrigens auch die “Gesichtswäsche” beim Menschen gehört.

Menschen tendieren sehr stark, viel durch Körperkontakt zu “sprechen”, auch wenn es unbewusst geschieht. Auch wird der Hund zum Beispiel lange gestreichelt und umarmt, zwischen Hunden sind solche Interaktionen meistens nur sehr kurzweilig. Eine Studie bewies, dass Hunde auch während des Streichelns durch ihren Besitzer viele Beschwichtigungssignale aussenden. Besonders bei der Berührung der Hinterbeine, Pfoten und Stirn- bzw. Oberseite des Kopfes. Das Streicheln dieser Stellen könnte also negative Gefühle hervorrufen.

Fazit zum Hunde verstehen lernen

Du siehst also, dass Hund und Mensch sich oft (miss)verstehen. Schau genau hin, was er dir zu sagen hat und verbessere durch genaues Beobachten und Interpretieren seines Verhaltens deine Beziehung zum Hund. Hunde verstehen lernen kann jeder – du musst nur genau hinsehen!

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Literatur:
Siniscalchi M., d’Ingeo S., Minunno M. und Quaranta A. (2018): Review Communication in Dogs, Animals, (8), 131