Kultur als Faktor beim Hunde verstehen

Hunde gelten als die ersten domestizierten Tiere. Sie leben mit uns vermutlich bereits über 40.000 Jahren zusammen. Gemäß der Co-Domestikationshypothese hat dies dazu geführt, dass sowohl Mensch und Hund Fähigkeiten entwickelt haben, um gegenseitig die Emotionen und kognitiven Fähigkeiten besser verstehen zu können. Hunde verstehen etwa einzelne menschliche Wörter und Gesten. Sie können aber auch die Tonlage unserer Stimme und den Gesichtsausdruck deuten. Aber wie ist es mit uns Menschen? Wie gut können wir Hunde verstehen?

Forscher des Max Planck Institutes haben nun untersucht, wie gut Menschen die emotionalen Gefühlsausdrücke von Hunden verstehen können und woher das Verständnis dafür eigentlich kommt.

Wie gut verstehen wir unsere Partner mit der kalten Schnauze?

Die Forscher zeigten 89 Erwachsenen und 77 Kindern Fotos von Gesichtern von Hunden, Schimpansen und Menschen, die entweder glücklichen, traurigen, wütenden, ängstlichen oder neutralen dreinschauten.  Dabei wurde insbesondere der Hintergrund der Studienteilnehmer beachtet – also ob ihre Kultur eine positive Einstellung gegenüber Hunden hatte und ob ein persönlicher Bezug zu Hunden gegeben war.

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass die Emotionen Wut und Freude bei Hunden sofort, die andere jedoch erst mit Erfahrung und zunehmenden Alter erfasst wurden. Besonders bei Erwachsenen war der kulturelle Hintergrund ein wichtiger Faktor. Bei einer positiven kulturellen Einstellung gegenüber Hunden war die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie die Emotion der Hunde richtig einordnen konnten. Dabei war es egal, ob die Teilnehmer selbst einen Hund besaßen oder nicht. Die Kernaussage der Studie ist, dass die Emotionen von Hunden nicht von Geburt an verstanden werden, sondern erlernt sind. Dabei wird die Fähigkeit Hundeemotionen zu verstehen mit zunehmenden Alter und mehr Erfahrungen besser. Ein wichtiger Punkt spielt dabei die kulturelle Einstellung gegenüber Hunden. Denn in einer Hundefreundlichen Kultur sind die Menschen häufiger Hunden ausgesetzt und haben damit mehr Möglichkeiten ihre Fähigkeiten zu schulen.

Literatur:
Federica Amici, James Waterman, Christina Maria Kellermann, Karimullah Karimullah, Juliane Bräuer. The ability to recognize dog emotions depends on the cultural milieu in which we grow up. Scientific Reports, 2019; 9 (1) DOI: 10.1038/s41598-019-52938-4