Haltung von Frettchen und ihre Bedürfnisse

Was brauchen Frettchen für ihr Wohlbefinden!?

Was brauchst du für die artgerechte Haltung von Frettchen? Neben einem ausreichend großen Gehege brauchen sie Einrichtungsgegenstände. Beschäftigungsmaterial ist für Frettchen wichtig, um ihr natürliches Verhalten ausleben zu können. Diese zusätzlichen Beschäftigungsmöglichkeiten werden „enrichment“ oder auch zu Deutsch übersetzt „Anreicherung“ genannt. Enrichment beinhaltet nicht nur Spielgegenstände, verschiedenstes Tierzubehör, sondern auch Sozialkontakt zu Artgenossen oder Menschen, verstecktes Futter, interessante Gerüche etc.
Fehlen genügend Verhaltensreize entwickeln Tiere Stereotypien (wie das Beißen in Käfigstangen, wiederholtes Kratzen, hin und her laufen, etc.) oder die Haustiere fallen in eine depressive Teilnahmslosigkeit, wohingegen Tiere mit einem durchdachten Beschäftigungsplan aktiv und neugierig bleiben.

Wie werden Bedürfnisse gemessen?

Eine Methode Bedürfnisse von Tieren zu messen ist die sogenannte „consumer demand study“, wobei die Wissenschaftler ermitteln, wie viel Leistung das Tier bereit ist zu geben, um an die gewünschte Ressource zu kommen. Weit verbreitet ist ein Versuchsaufbau mit verschiedenen Kammern, die durch Türen erreichbar sind. Diese Türen werden im Laufe des Versuches immer schwerer zu öffnen, da sie mit Gewichten beschwert werden. Je nachdem, wie viel Leistung das Tier zum Öffnen der Tür für die Ressource erbringt bzw. ab wann es nicht mehr gewillt ist, Leistung dafür aufzubringen, wird angenommen, wie wichtig das Objekt ist. Eine andere Möglichkeit ist der Präferenztest, bei welchem die Wissenschaftler im direkten Vergleich beobachten, was die Tiere bevorzugt nutzen und was nicht.

Haltung von Frettchen

Alltägliche Frettchen-Bedürfnisse

Schlussfolgerungen auf das natürliche Verhalten liefern einerseits Studien an den wilden Vorfahren der Frettchen, dem Europäischen Iltis, und den nah verwandten Minks, andererseits sind Erkenntnisse direkt zu Frettchen vorhanden. Nicht nur Daten aus Laborbedingungen, sondern auch halbwilde Tiere in großen Gehegen oder wildlebende Frettchen zeigen uns ihre natürlichen Bedürfnisse auf. Freilebende Frettchenpopulationen leben zum Beispiel in Neuseeland, wo sie ursprünglich zur Kaninchenbekämpfung ausgewildert wurden.

Richtige Haltung von Frettchen herausfinden!

Mittels Anreicherungsgegenständen soll der Tagesablauf von wilden Frettchen möglichst so nachgestellt werden, dass alle natürlichen Bedürfnisse gestillt sind. Damit sollte auch das Frettchen in Menschenobhut ein artgerechtes Leben führen können. Wichtige Lebensaufgaben für Frettchen sind Futtersuche und Jagd, Wasseraufnahme, Erkundungsgänge, soziale Interaktionen, aber natürlich auch Schlafen. Die Aufgabe des Frettchenbesitzers ist es also, dem Haustier täglich diese Punkte zu ermöglichen und so einen geregelten, ausgefüllten Arbeitstag zu simulieren. Den ganzen Tag faul auf der Couch liegen und den Pizzadienst Essen liefern lassen, klingt zwar erstrebenswert, tut aber auf lange Sicht weder dem Menschen, noch im übertragenen Sinne dem Tier gut!

Was Frettchen brauchen!

Haltung von Frettchen

Eine niederländische Forschungsgruppe (Reijgwart et al., 2016) hat versucht, zu ermitteln, welche Anreicherungen für Frettchen wichtig sind, nachfolgend die Schlussfolgerungen daraus:

1. Futtersuche und Jagd

Frettchen haben als Raubtiere einen angeborenen Jagdtrieb. Eine Möglichkeit, den natürlichen Verhaltensweisen der Frettchen gerecht zu werden, sind Spielbälle. Der Nachteil bei diesen Gegenständen ist, dass zwar der Jagdtrieb ausgelebt werden kann, aber der zweite wichtige Teil, nämlich das Fressen der Beute nach erfolgreicher Jagd, nicht. Die Frettchen in der Studie bevorzugten einen kleinen Ball mit Glöckchen, den sie herumgetragen konnten. Das ist nicht verwunderlich, da es doch einem Beutetier am nächsten kommt. Aber auch der größere Frettchen-Ball, in welchen sie auch durch Öffnungen hineinklettern konnten, nutzen die Frettchen ausgiebig.

Bälle* sind also wichtig im täglichen Leben eines Frettchens und sollten bei der Haltung von Frettchen niemals fehlen. Die Studie hat aber auch gezeigt, dass die Frettchen im direkten Vergleich mehr Aufwand für Futter-Bälle* in Kauf nahmen. Möglicherweise da mit diesem Gegenstand auch der zweite Teil, nämlich das Beute machen und fressen auch erfolgen kann.

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Artgerechte Beschäftigung durch Futter-Enrichment!

Bei Futter-Enrichment* fällt Futter aus kleinen Öffnungen durch umher schieben heraus. Diese Gegenstände (gleichermaßen beliebt waren Futterball* und -pyramide*) wurden auch umher getragen und im Schlafbereich gebunkert. Die Tatsache, dass die Frettchen, obwohl Futter zur freien Verfügung stand, einerseits für die Türöffnung (der mit Gewichten versehenen Türen), andererseits auch direkt am Futterspiel-Objekt für das Futter arbeiteten, zeigt, dass eine ständig gefüllte Futterschüssel nicht ausreicht, um die Bedürfnisse der Haustiere zu befriedigen. Frettchen wollen für Futter arbeiten! Mit Futter-Bällen kann es sein Verhalten der Jagd durch Rollen des Gegenstandes ausleben und es auch in der sicheren Höhle bunkern, so wie seine wilden Verwandten.

Futterball:

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Futterpyramide:
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2. Wasseraufnahme

Da in der Haltung von Frettchen Nippeltränken weit verbreitet sind, ist das Ergebnis der niederländischen Studie sehr interessant. Die Frettchen bevorzugten eine Wasserschüssel gegenüber der Nippeltränke. Hier konnte also gezeigt werden, dass die Tiere, obwohl Wasser aus dem Nippeltränker ständig zur freien Verfügung stand, Mehraufwand für eine Wasserschüssel in Kauf nahmen. Dabei bevorzugten die Frettchen die größere Wasserschüssel*, welche sie auch für Spielverhalten und zum Graben im Wasser benutzten. Dies zeigt deutlich, dass Nippeltränken in der Frettchenhaltung nur als Notfall-Wasserspender bereit stehen sollten und du deinen Lieblingen unbedingt eine Wasserschüssel anbieten solltest!

3. Erkundungsgänge

Ein Tunnel sollte in jede Frettchen-Grundausstattung gehören, da Frettchen naturgemäß gerne durch kleine Öffnungen kriechen. Produkte aus dem Einzelhandel haben für Frettchen nicht nur den Nutzen durch ihn hindurch zu laufen, sondern werden auch als Spielzeug herum geschoben – deswegen war auch im Experiment die Beschäftigungszeit länger mit einem flexiblen, als einem starren Tunnel.

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4. Soziale Interaktionen

Obwohl der Kontakt zu anderen Frettchen im Experiment nur durch ein Gitter gestattet war, wurde der Platz oft aufgesucht, um Körper an Körper, nur getrennt durch das Gitter, aneinander zu schlafen und auch Spielaufforderungen oder der arttypischen Distanz wurden gezeigt. Dies veranschaulicht, dass Frettchen eindeutig soziale Tiere sind und nicht in Einzelhaltung gehören. Eine harmonierende Gruppe ist natürlich wichtig, Ausnahmen bestätigen die Regel. Über eine Haltung von Frettchen in Einzelhaltung sollte deshalb niemals nachgedacht werden.

5. Schlafplatz

In freier Natur hausen Frettchen in einem unterirdischen Frettchenbau, also ist ein sicherer, dunkler Platz für einen erholsamen Schlaf nötig. In der niederländischen Studie war die Hängematte* überaus beliebt. Sie wurde aber nicht nur zum Schlafen benutzt, sondern diente auch für Zerr-Spiele am Stoff und als Versteckmöglichkeit für Futter oder Beschäftigungsgegenständen. Alles Höhlenartige* ist also als Schlafplatz bei der Haltung von Frettchen geeignet. Präferenzen der Tiere sind jedoch verschieden, es kommt immer auf das Individuum an.

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Fazit zur Haltung von Frettchen

Frettchen kann auf verschiedenste Weise das Leben verschönert werden – sei es mit dem Angebot von Wasser, Versteck- oder Spielmöglichkeiten. Die Bereitstellung einer Grabmöglichkeit (mit Sand/Erde etc.) ist zu erwägen, da es auch in das natürliche Verhaltensrepertoire gehört. Es gibt unzählige Möglichkeiten Frettchen zu beschäftigen – die eigene Kreativität  kann also in vollen Zügen ausgelebt werden! Viel Spaß beim Abenteuer Haltung von Frettchen!

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Weiterlesen:
Frettchen – des Menschen bester Freund

Referenzen

Reijgwart, M. L., Vinke, C. M., Hendriksen, C. F. M., van der Meer, M., Schoemaker, N. J., & van Zeeland, Y. R. A. (2015). Workaholic ferrets: Does a two-chamber consumer demand study give insight in the preferences of laboratory ferrets (Mustela putorius furo)? Applied Animal Behaviour Science, 171, 161–169. http://doi.org/10.1016/j.applanim.2015.08.032
Reijgwart, M. L., Vinke, C. M., Hendriksen, C. F. M., van der Meer, M., Schoemaker, N. J., & van Zeeland, Y. R. A. (2016). Ferrets’ (Mustela putorius furo) enrichment priorities and preferences as determined in a seven-chamber consumer demand study. Applied Animal Behaviour Science. http://doi.org/10.1016/j.applanim.2016.04.022

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