Nagetiere als Mitbewohner

by | Dez. 22, 2019 | Kleintiere | 0 comments

…sind sogenannte Anfängertiere mit hohen Anforderungen an deren Tierhaltern!

Wenn sich Kinder ein Haustier wünschen, werden oft kleine Nagetiere als einfache Anfängertiere empfohlen. Auch wenn Meerschweinchen, Hamster & Co. schon jahrelang in Menschenobhut gehalten werden, haben sie dennoch ihre Instinkte behalten, die beachtet und befriedigt werden müssen. Die Lebensverhältnisse ihrer Vorfahren in freier Natur, wie Wetter, Bodenverhältnisse, Unterschlupfmöglichkeiten, vorhandene Raubtiere und die natürlichen Nahrungsquellen haben ihren Teil dazu beigetragen, wie dein Haustier heute tickt.

schreckstarre bei nagetieren

Nagerperspektive auf die Welt

Viele Nagetiere besitzen eine Größe von nur wenigen Zentimetern. Meerschweinchen und Ratten können auf ihren Zehenspitzen stehend eine maximale Höhe von 30 bis 33 cm erreichen, Goldhamster etwa 16 cm. Das bedeutet, dass ihre Perspektive auf die Welt eine ganz andere ist, als unsere mit einer Körpergröße von rund 1,70 m. Diese andere Weltansicht muss in der Pflege und Haltung unbedingt beachtet werden.

Gefahren von oben – Raubtier oder Mensch!?

In freier Wildbahn mussten die Vorfahren unserer Nager auf Vögel achten, die sich aus der Luft auf sie stürzten. Aber auch am Boden waren sie vor diesen nicht sicher. Dort warteten außerdem auch noch Säugetiere und Reptilien als Jäger auf sie.

Was bedeutet das also für unsere tierischen Mitbewohner?

Auch wenn du weißt, dass deine Nagetiere in deinen eigenen vier Wänden vor Raubtieren sicher sind, sind es dennoch ängstliche Beutetiere geblieben. Damit kannst auch du als Mensch in gewissen Situationen furchteinflößend wirken – etwa, wenn du dich plötzlich näherst oder mit deinem ganzen Körper über sie beugst.

Die Welt versuchen aus der Sicht der Nagetiere zu sehen!

Es ist deshalb wichtig, dass du versuchst, dich in dein Haustier als Beutetier hineinzuversetzen. Unsere menschlich gedachten Absichten sind irrelevant. Aus der Sicht der Tiere sind möglicherweise schon schnell bewegende Hände oder ein schallendes Lachen Grund für große Angst.

Wenn Nagetiere eine potenzielle Gefahr entdecken, können sie in eine bewegungslose Starre fallen, um gut getarnt in der Umgebung zu verschwinden. So versuchen sie keine weitere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, denn Raubtiere sind während der Jagd auf Bewegungen fixiert. Wenn die Gefahr immer näher kommt, fällt das Nagetier in den Fluchtreflex. Dabei versucht es im Idealfall einen sicheren Platz zum Verstecken zu erreichen. Wenn das Nagetier gefangen wird, kämpft es mit Zähnen und Krallen um Leben und Tod.

Im äußersten Notfall: Totstellreflex

Wenn der Kampf aussichtslos erscheint, ist die letzte Lösung ein Totstellreflex, also eine ausgeprägte Schreckstarre. Dabei versucht es wieder das Interesse von den bewegungsfixierten Raubtieren abzuwenden. Auch durch plötzliches auf den Rücken legen kann dieser Totstellreflex ausgelöst werden. Dass dabei das Tier extrem gestresst ist, sollte klar sein – leider wird dies oft missverstanden. Wenn dein Nagetier also scheinbar sehr entspannt am Rücken liegend eine Dusche genießt, kann es in Wirklichkeit mit einem durch die Instinkte gelähmten Körper Todesängste ausstehen.

Worauf beim Zusammenleben mit Nagetieren geachtet werden sollte

Du solltest also das Gehege deiner Nagetiere eher nicht am Boden, sondern erhöht stellen. Aber auch ein ruhiger Platz ist besser, als einer, wo du ständig vorbei trampelst. Ausreichend Versteckmöglichkeiten sind ebenfalls sehr wichtig. Dann kann das Nagetier, wenn ihn seine Instinkte überkommen, schnell in den sicheren Unterschlupf fliehen. Besonders wenn deine Nagetiere noch neu sind, dann versuch auf hektische Bewegungen zu verzichten, treibe es nicht in eine Ecke, wenn du es berühren möchtest, sondern locke es mit Futter und lass ihm die Zeit, bis es selbst entscheidet dich erkunden zu wollen.

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Doris – Biologin für Verhaltensbiologie Hund
Doris | Biologin (MSc)

Ich zeige dir die verhaltensbiologische Perspektive im Umgang mit deinem Hund. Fernab von klassischem Hundetraining helfe ich dir, die feine Kommunikation im Alltag neu zu lesen – für ein echtes Miteinander ohne Dressur und Druck.

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