Nach dem Tod des Haustieres

Der Tierbesitzer im Euthanasie-Martyrium

Die Entscheidung ja oder nein zum Tod des Haustieres zu sagen, ist ein nervenaufreibender Prozess. In einer amerikanischen Dissertation wurde etwa der Verlauf der Euthanasie von der Entscheidungsfindung des Tierbesitzers, über den Prozess der Euthanasie bis zum Umgang mit dem Tod des Haustieres, genauer untersucht (Turner 1998). Bei 7 von 8 Fällen war der schlechte Gesundheitszustand Grund das Tier einschläfern zu lassen. In der Entscheidungsfindung der Tierbesitzer war der Gedanke an die schlechte Lebensqualität des Tieres im Vordergrund und dass es von seinem Leiden erlöst werden müsse. Die andere Seite ist, wenn die Lebensqualität des Besitzers äußerst eingeschränkt wird, wie zum Beispiel durch extrem aggressives, unlösbares Verhalten oder enormen Pflegeaufwand. Mehr zur Entscheidungsfindung, ob eine Euthanasie des Haustieres sinnvoll ist im Artikel Euthanasie - der richtige Zeitpunkt zu finden. Ist erst einmal beschlossen, dass das Tier eingeschläfert wird, beginnt die Phase des Abschiedes und der Trauer nach dem Tod.

Bei der Euthanasie dabei sein oder nicht?

Die Entscheidung beim Vorgang der Euthanasie anwesend zu sein, war der Studie zufolge eine sehr persönliche Entscheidung. Ob es sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Bindung zum Tier ab und der emotionalen Stärke die Situation durchzustehen. Auch wenn es ein sehr trauriger Moment ist, ist es wichtig, dass alle dem sterbenden Tier nahe stehenden Menschen in den Prozess des Einschläferns mit einbezogen werden. Vor allem Kindern sollte die Situation genau erklärt und der Tod deutlich beschrieben werden. Wenn dem Kind gesagt wird, dass das Tier nun „Schlafen geschickt wird“, kann das Kind zum Beispiel eine Angst vor dem Einschlafen entwickeln. Kinder lernen durch den Abschied von Haustieren mit dem Tod umzugehen - es bleibt leider niemanden erspart.

Beerdigung nach Tod des Haustieres

Nach dem Tod des Haustieres: Beerdigung und Verabschiedung!?

Eine soziale Unterstützung durch Freunde und Familie ist wichtig, um mit den Trauerprozess besser umgehen zu können und den Tod des Haustiers zu verarbeiten. Auch kann eine rituelle Beerdigung helfen, den Tod zu akzeptieren. Grabreden und Blumen geben dem Haustier eine würdevolle Verabschiedung.  
Besagte Studie zeigte auch, dass  sich Tierbesitzer auch für unheilbar kranke Menschen eine Möglichkeit der Euthanasie wünschen würden. Dies zeigt, wie nah die Haustiere in das Familiensystem heutzutage dazugehören. Mit den vollwertigen tierischen Familienmitgliedern scheinen sich die Tierbesitzer die gleichen Rechte für Mensch und Tier zu wünschen. Leidende mitzuerleben und nichts tun zu können, gibt Menschen ein Gefühl der Hilflosigkeit. Das Ende des Leidens brachte den Tierbesitzern eine Erleichterung.

 

Tierbesitzer nach dem Tod des Haustieres

Mit dem Tod umzugehen ist schwer. Viele Tierbesitzer versuchen nicht über das Tier zu sprechen oder an es zu denken. Dies ist ein natürlicher Abwehrmechanismus, um der Realität nicht ins Auge sehen zu müssen. Der Gedanke an dem Tod des Tieres schuld zu sein, da ja das JA zur Euthanasie gegeben wurde, ist eine der wichtigsten Emotionen, die mit der Euthanasie in Verbindung gebracht wird. Es zeigte sich aber auch, dass oft Schuld nicht gefühlt wurde, da die Euthanasie als eine Erlösung für das Tier verstanden wurde.

Der richtige Weg mit dem Tod umzugehen ist, die Trauer zuzulassen und den Tod anzuerkennen.
Die Trauerarbeit durchzumachen, bedeutet

1. den Verlust zu akzeptieren

2. den Schmerz der Trauer zu fühlen

3. sich in der Umgebung, wo das verstorbene Tier fehlt, sich wieder wohl zu fühlen

4. mit dem Leben weiter zu machen

Gefühle nicht zuzulassen, oder auch sich nicht anzupassen, zeigen, dass die Trauer noch nicht überwunden wurde. Verspätete Trauer kann z.B. auch eintreten, wenn man versucht für andere Familienmitglieder stark zu bleiben.

Virtueller Tierfriedhof

Eine andere Art des Abschiedes ist der virtuelle Tierfriedhof im www (z.B. https://www.rosengarten-sterne.de/ http://www.regenbogenwiese.net/ https://www.quitschie.de/ http://www.virtueller-tierfriedhof.de/), wo eine Online Todesanzeige für das verstorbene Tier geschalten werden kann. Ein Bild, ein paar liebe Worte und/oder ein Gedicht können dort an das verstorbene Tier gerichtet werden.

In einer neuen Studie von MacKay und Kollegen (2016) wurde der wertvolle Beitrag zur Trauerbewältigung nach dem Tod des Haustieres untersucht. Die Beschreibung des verstorbenen Haustieres als Teil der Familie, die Zusprache von Kinder-ähnlichen Attributen und der Schätzung der fröhlichen Natur des Haustieres zeigen die intensive Verbindung zwischen Mensch und Haustier. Eine tiefe Sympathie und das Gefühl der Dankbarkeit des Haustiers wurden ebenso beschrieben. Ein Schuldgefühl für den Tod des Haustieres wurde auch öfter genannt, aber auch das Sein an einem besseren Ort durch den Gang über die Regenbogenbrücke und ein Leben nach dem Tod beschrieben.

Andere Tiere im Haushalt

Auch andere Tiere im Haushalt können einen Trauerprozess durchmachen und in eine Art Depression verfallen, wobei sie anteilslos sind, Fressen und Trinken verweigern oder auch nach dem verlorenen Haustier immer wieder suchen. Wichtig ist dabei die tägliche Routine nicht zu verändern. Die tägliche Aktivität sollte unterstützt werden, aber das Tier nicht überbehütet werden. Das verbliebene Tier am Trauerprozess aktiv teilnehmen zu lassen, kann ihm helfen das Geschehene zu verstehen. Genauso wie Kindern muss den anderen Haustieren der Tod des verstorbenen Familienmitgliedes anschaulich beigebracht werden. Den toten Körper dem verbliebenen Haustier zum Beispiel bei dem Begräbnis des Haustieres zu zeigen, kann dem Tier begreiflich machen, dass es nun nicht mehr da ist. Es gibt dazu zahlreiche rührende Berichte vieler Tierbesitzern.

Neues Haustier!?

Ein weiteres Thema kurz nach dem Tod des Haustieres ist oft die Anschaffung eines neuen Tieres: Ersetzung. Die Leere ohne Haustier ist anfangs nur schwer zu ertragen. Das Tier war Teil des täglichen Geschehens und fehlt. Obwohl die meisten Tierbesitzer in der Studie nicht umgehend ein neues Tier anschaffen wollten, war der Gedanke irgendwann ein neues zu erwerben, nicht ausgeschlossen. Die Gesellschaft durch ein neues Haustier kann Menschen dabei helfen, den Verlust und die Trauer schneller zu überwinden. Die Befürchtung sich gegenüber dem verstorbenen Tier treulos zu verhalten oder auch die Angst vor einem neuerlichen Verlust, lassen Menschen mit dem Erwerb eines neuen Tieres aber hadern. Es bleibt im Endeffekt jedem Menschen selbst überlassen, ob und wann ein neues tierisches Familienmitglied einzieht.

Fazit

Der Tod eines geliebten Lebewesens ist nie eine leichte Sache, gehört aber zum Leben dazu. Wenn ein Haustier stirbt, ist der Mensch je nach der Bindung zum Tier genauso aufgewühlt und in einer Trauerphase, wie wenn ein nahestehender Mensch verstirbt. Rituelle Beerdigungen haben sich beim Menschen im Laufe der Jahre entwickelt, um die geliebten Menschen angemessen und mit Ehre zu verabschieden. Da Tiere immer mehr ähnliche Stellenwerte, wie ein menschlicher Freund einnehmen, muss man sich nicht schämen, wenn einem der Tod des geliebten Haustieres stark mitnimmt. Wer offen mit dieser Situation umgeht, wird sich am leichtesten wieder aufrappeln. Eine ordentliche Beerdigung und Gedenken an das verstorbene Haustier können helfen. Auch wenn manche Menschen dies als lächerlich abtuen, werden andere Tierbesitzer dieses Vorgehen verstehen und vielleicht damit auch offener mit ihrer Trauer umgehen.

 

Referenzen

MacKay JRD, Moore J, Huntingford F. 2016. Characterizing the Data in Online Companion-dog Obituaries to Assess Their Usefulness as a Source of Information about Human???Animal Bonds. Anthrozoos 29(3):431–440.

Turner WG. 1998. Euthanasia of the Companion Animal: Understanding the Pet Owner’s Experience. Ohio State University.

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