Vegetarier Dilemma: Vegane Ernährung für Hund und Katze?

GEHT DAS? ...oder besser mit dem schlechten Gewissen leben und Fleisch füttern? Oder doch lieber ein Hausschwein kaufen?

Insbesondere Menschen, die sich aufgrund ihrer Lebenseinstellung vegetarisch oder vegan ernähren, befinden sich in einem ethischen Dilemma, wenn sie einen Hund oder eine Katze besitzen. Kaufe ich Futtermittel aus dem Einzelhandel ohne genaue Herkunftsgewissheit? Oder doch lieber Fleisch vom kleinen Metzger, der sich auf Tierfutter spezialisiert hat? Damit wird aber auch die Fleischindustrie unterstützt! Der einzige Ausweg ist eine vegetarische oder vegane Ernährung des geliebten Haustieres oder der Verzicht auf Haustiere, die Fleisch fressen. Alternativen wären also zum Beispiel etwa Kaninchen oder Hausschweine… das sind auch tolle Tiere, aber zurück zum vegetarischen Lebensstil für Hund und Katze ;-).

Kann ich mein Haustier auch fleischlos gesund ernähren?

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Welche Möglichkeiten der veganen/vegetarischen Ernährung von Hund und Katze gibt es?

Einerseits kann für das Haustier selbst vegetarisch/vegan gekocht werden, wozu es z.B. spezielle Kochbücher gibt. Andererseits kann aber auch Futter aus dem Einzelhandel erworben und dieses gegebenenfalls durch Selbstgemachtes ergänzt werden. Um als vollwertiges Futter im Einzelhandel zu gelten, müssen die vegetarisch/veganen Futtermittel genauso wie die fleischhaltigen in Europa die gesetzlichen Bedingungen erfüllen. Für Europa ist das zum Beispiel die Regulation (EC) No 767/2009. Ein weiterer Anhaltspunkt sind die AAFCO Richtlinien (z.B. European Pet food industry FEDIAF).

KRITIKPUNKT 1: Fleischlos bei Hund und Katz' ist unnatürlich und Tierquälerei!?

"Fleischlose Ernährung von Hund und Katze ist entgegen ihrer Natur!", ist oft der erste Kommentar, wenn man dieses Thema anschneidet. Das stimmt, sowohl Hund als auch Katze gehören zu den Fleischfressern und bevor wir sie domestiziert haben, mussten sie jagen und Beute machen, um zu überleben. Demnach ist ihr Körper auch perfekt adaptiert, Beutetiere zu jagen, reißen, zerkauen und zu verdauen.

Hunde
Hunde sind aber auch schon über 33.000 Jahre Begleiter des Menschen – und um damals an der Seite von uns überleben zu können, mussten sie sich mit einer variableren Diät zurecht finden. Verglichen mit dem Fleischfresser Wolf, ist der Hund mehr ein Allesfresser. Evolutionär bedingt können sie Kohlenhydrate besser verstoffwechseln und tolerieren eine Ernährung mit geringerem Proteinanteil.

Katzen
Katzen wurden erst vor ungefähr 10.000 Jahren domestiziert und hatten einen anderen Nutzen als Hunde. Sie mussten Schädlinge, wie Mäuse und andere Kleintiere fangen und sich von diesen ernähren. Diese Nutzung der Katze ist teilweise heute noch üblich. Demzufolge sind Katzen nicht so gut an menschliche Nahrung angepasst und können pflanzliche Nahrung nicht so gut verstoffwechseln. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Proteinverdaulichkeit noch vollkommen identisch mit ihrem wilden Vorfahren ist.

Fakt ist aber, dass das Dosen- und Trockenfutter, das wir unseren Haustieren servieren auch nicht mehr ganz natürlich ist. Die Beutetiere von Hund und Katze waren ganz andere gewesen. Kleine Säugetiere, wie Mäuse oder Ratten, Vögel, Fische, Reptilien und Insekten bei Katzen und wildlebende Hunde jagen im Rudel und fressen auch Aas und unterschiedlichste Nahrung. Nur deren Vorfahre der Wolf ist auf größere Beutetiere, wie den Elch, spezialisiert. Dabei werden erst die proteinreichen Organe gefressen und dann das Muskelfleisch.
Dosen- und Trockenfutter enthält zerkleinerte Stücke von Kuh, Schaf, Schwein, Truthahn und sonstigen Nutztieren in einem Ausmaß von meist wenigen Prozent Fleischanteil. Pflanzliche Stoffe werden für den Zusammenhalt des „Fleisch-Smoothies“ benötigt und als günstige Sattmacher eingesetzt.

Ein weiterer Punkt, der gegen industrielle Tierfuttermittel spricht ist die Herkunft des Fleischbreies im kommerziell erworbenen FLEISCHHALTIGEN Dosen- und Trockenfutter. Bei Fleischfütterung muss auch die Quelle der Fleischteile/-reste beachtet werden. Für den Verzehr ungeeignete Fleischteile (wie kranke, invalide oder bereits am Transport zum Schlachthof verendete Tiere) werden nachgesagt in der Tiernahrung verarbeitet zu werden. Aufgrund des Aufwandes sollen die Plastikohrmarken teilweise nicht entfernt oder altes Fleisch aus dem Supermarkt ohne Entfernung aus der Styroporpackung verarbeitet werden. Dass das nicht ganz gesund ist, kann man sich denken. Natürlich muss das nicht die Regel sein, kann aber beim Tierfutter genauso passieren, wie beim "Menschenfutter" ... --> Thema Gammelfleisch!!!

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KRITIKPUNKT 2: Mangelnde Energie- und Nährstoffversorgung

Ein anderer Vorwand ist, dass vegetarische Kost Hund und Katz zu wenig Energie liefert. Dabei ist das Gegenteil meistens das Problem - Haustiere werden oft überfüttert. "Mein Haustier soll nicht hungern, deswegen bekommt es viel und nur das Beste.", ist oft ein Grundsatz. Fressen im Überfluss wird angeboten. Würde der Hund oder die Katz in freier Wildbahn leben, wären die Mahlzeiten nicht so regelmäßig serviert, sondern sporadisch mit Hungerperioden mit Arbeitsaufwand erarbeitet worden. Klar, Hungern ist auch nichts, aber alles sollte mit Maß und Ziel geschehen. Krankhaftes Überfüttern ist eine andere Wohlstandskrankheit, die wir unseren Haustieren angetan haben. Studien haben belegt, dass der metabolisierbare Energiegehalt in der Futtermenge oft zu hoch ist. Die Fütterung mit dicht gepackten Proteinen gekoppelt mit wenig Bewegung resultiert in Zivilisationskrankheiten wie beim Menschen - Übergewicht und deren Folgen plagen also auch unsere Haustiere.  
Je nach den aktuellen Lebensbedingungen (ob jung, erwachsen, trächtig, säugend oder alt) benötigt das Tier eine andere spezielle Nahrungszusammensetzung. Dies wird oft übersehen und resultiert in Verhaltensprobleme (aufgrund Energieüberfluss), Übergewicht und anderen Folgeerkrankungen.

Außerdem sind Bedenken hinsichtlich einer ausreichenden Nährstoffversorgung nicht nur auf vegetarische Produkte beschränkt. Studien bewiesen auch generelle Probleme in der Nährstoffzusammensetzung von fleischhaltigen Futtermitteln. Auch Futter mit Fleisch muss nicht alles Überlebenswichtige enthalten. Zum Beispiel entdeckten bereits 1987 Pion und Kollegen niedrige Plasma-Taurin Konzentrationen, die eine Herzmuskelschwäche bei Katzen in Zusammenhang mit kommerziellem fleischlastigen Katzenfutter zur Folge hatte. Damals starben tausende Katzen an dieser Problematik. Seither sind die meisten fleischhaltigen, als auch vegetarischen Futtermittel mit synthetischem Taurin ergänzt. 

Studien haben außerdem bewiesen, dass Langzeitfütterung von (einigen) kommerziellen fleischhaltigen Futtermitteln bei Hunden und Katzen ein höheres Risiko bergen, an diversen Krankheiten zu erkranken. Dazu gehören  Nierenversagen, Leber-, Muskel- und neurologische Erkrankungen, Geburtsdefekte und Blutgerinnungsstörungen. Ein Grund dafür könnte sein, dass den Schlachttieren teilweise zur Vorbeugung von Krankheiten Antibiotikas verabreicht werden. Diese können nachweislich - angefangen von leichten Vergiftungen, bis hin zu Problemen mit Herz, Skelettmuskeln und peripheren Nerven, führen.

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!!!! Zu beachten ist, dass den heutigen Erkenntnissen zufolge nicht spezielle Nahrungsmittel aufgenommen werden müssen, sondern die benötigten Nährstoffe! !!!!

Proteinen aus pflanzlicher Quelle wird nachgesagt eine geringere Verdaulichkeit als tierische Proteine zu haben. Es zeigte sich aber, dass Hunde z.B. sojabasierte Proteine in einem Test genauso gut verwerten konnten. Außerdem schwankt nicht nur der Proteingehalt der pflanzlichen, sondern auch, je nach Qualität, der der tierischen Quelle. Es gibt immer mehr Erfahrungsberichte über Hunde und Katzen, die mit vegetarischer Kost (über)leben und bis ins hohe Alter fit bleiben. Berichtete Vorteile sind unter anderem verminderter Befall von Flöhen und Zecken, weniger Futtermittelunverträglichkeiten, verbessertes Aussehen des Felles, kein Übergewicht, verminderte Arthritis, Diabetes, Grauer Star und urogenitale Erkrankungen. Knight & Leitsberger (2016) holten bei diversen Futtermittelproduzenten Auskunft ein, ob die angebotenen vegetarischen Futtermittel den gesetzlichen Anforderungen genügen. V-dog bestätigte etwa den nährwertbezogenen Anforderungen zu genügen – mit der Bemerkung, dass regelmäßig Tierernährungsexperten und Veterinärmediziner Tests mit den Futtermitteln durchführen und auch externe Labore dies überprüfen, um laufend gute Garantie zu liefern. V-dog gab an, keine Futtertests durchgeführt zu haben, aber der Beweis durch das Bestehen der Firma für über 11 Jahren und alten, gesunden Hunden als Stammkunden Beleg genug wären.

Es muss natürlich festgehalten werden, dass diese Erfahrungsberichte nicht wissenschaftlich bestätigt sind und auch die Aussagen der Firmen nicht voll haltbar sind. Nichtsdestotrotz weisen die Futtertests vieler Hunde und Katzen auf einen positiven Effekt der vegetarischen Ernährung hin. Es gibt auch mittlerweile einige Studien, die fleischhaltige und fleischlose Futtermittel verglichen und nichts Gegenteiliges gefunden haben.

 

Dies verdeutlicht, dass zumindest theoretisch eine vollständige Versorgung mit pflanzlichen Nahrungsmitteln möglich ist. Mehr Erfahrungen zu vegane/vegetarische Fertigfuttermitteln sowie wissenschaftliche Untersuchungen dazu im folgenden Text:

Studien: Vergleich fleischhaltiger und vegetarischer/veganer Fütterung bei Hund und Katze

PETA untersuchte bereits 1994 300 vegetarisch ernährte Hunde im Alter von 9 Monaten bis 19 Jahren in USA und Kanada. Keine Auffälligkeiten hinsichtlich der Häufung von Krankheiten wurde eruiert, auch neuere Nachforschungen von PETA haben das OK von veganer Futtermittel ergeben.i-am-vegan-artikel-4

Brown et al. (2009) hat vegetarische und fleischlastige Futtermittel bei Sibirische Huskys (je 6 Hunde), die im Schlittenhundesport aktiv waren, verglichen. Beide Futtermittel kamen auf denselben Nährstoffgehalt. Der 43%ige Anteil an Geflügel wurde in der vegetarischen Variante mit Maisgluten und Sojabohnenmehl ersetzt. Während und nach der 16-wöchigen Testphase konnte kein Unterschied von Veterinärmedizinern in Vitalität und Gesundheit gefunden werden.

Wakefield et al. (2006) verglich 34 vegetarisch und 52 fleischlastig ernährte Katzen für die Dauer von mindestens einem Jahr. Kein Unterschied wurde in Gesundheitszustand und Aktivität von den Tierbesitzern beschrieben. Eine Blutuntersuchung bei 17 Tieren ergab keine erhöhten Vitamin B12 Werte, der Taurin-Wert war bei 3 Tieren zu niedrig. Diese wurden aber auch teilweise von Tischresten ernährt, was keine ausgewogene Ernährung darstellt.

Abweichungen von den Normalwerten bei Blutuntersuchungen sind nicht häufiger als mit kommerziellen Futtermitteln. Auch sind Krankheiten nicht häufiger mit vegetarischer Ernährung. Natürlich können auch mit dieser Nahrung die Haustiere an Krebs sterben oder Herzerkrankungen und Infektionen auftreten.

Aktuelle Untersuchung von veganem Hunde- und Katzenfutter (Semp, 2014)

Eine österreichische Diplomarbeit (Semp, 2014) behandelte das Thema vegane/vegetarische Hunde- und Katzenernährung, bei welcher einige vegane Hunde- und Katzenfuttermittel getestet wurden.

 

Produktübersicht:

Benevo Duo
Die Marke Benevo Duo ist ein Nassfuttermittel, das für Hunde und Katzen den nährwertbezogenen Bedarf decken soll. Laut Herstellerangaben ist das fleischlose Futter von Tierfutterspezialisten entwickelt worden und frei von tierischen Bestandteilen, künstlichem Geschmack und Farbstoffen. Auch keine sonstigen Allergene wie Soja, Weizen und Milchprodukte sind enthalten. Vegetarisches Taurin zur Gesunderhaltung von Hund und Katze ist beigemengt.

Ami
Die Marke Ami ist ein veganes italienisches Futtermittel, das Nass- sowie Trockenfutter sowohl speziell für Katzen als auch Hunde am Markt hat. Es soll ein vollwertiges Futtermittel aus pflanzlichen Bestandteilen sein und insbesondere bei Futterunverträglichkeiten sehr gut sein. Das Trockenfutter Ami Dog Mini ist speziell für kleinere, ausgewachsene Hunde geeignet.

Vegusto
Die Schweizer Marke Vegusto bietet ebenfalls vegane Tierfuttermittel an. Diese Produkte sollen bereits seit 1986 bestehen und von Veterinärmedizinern empfohlen sein.

Yarrah
Die niederländische Marke Yarrah bietet ebenso eine vegetarische Futtermittel-Sparte an. Dabei kann aus Nass-/Trockenfutter sowie Leckerlis gewählt werden. Es wird ebenso als vollwertiges Futtermittel für Hunde ohne Fleisch und tierischer Nebenprodukte angepriesen.

Selbstgekochte vegane Nahrung für den Vierbeiner mit Nahrungsergänzungsmittel

Die Alternative zum gekauften Futter ist selbst vegan für das Haustier zu kochen. Ein guter Ratgeber dazu ist zum Beispiel das Buch "Vegetarische Hunde- und Katzenernährung".

Das selbst hergestellte Futter kann mit Nahrungsergänzungsmittel bereichert werden. Zum Beispiel bietet Veganversand sowohl Hundenahrungsergänzugsmittel und Katzennahrungsergänzungsmittel an.

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Ergebnis Teil 1: Umfrage von Semp (2014)

Semp (2014) führte eine Umfrage im deutschsprachigen Raum mit 233 Teilnehmern aus Österreich, Deutschland und der Schweiz durch. Daten wurden für 174 Hunde und 59 Katzen gesammelt. Die Studienteilnehmer waren Großteils weiblich (85%), zwischen 19 und 30 Jahren alt (50%) und selbst vegan lebend (91%). 90% der Teilnehmer gaben an, aus moralischen, ethischen oder tierschutzbezogenen Gründen ihre Haustiere ohne Fleisch zu ernähren. 18% gaben Allergien mit fleischlastigen Futtermitteln an, 2% verwiesen auf pure Neugier als Motivation ihr Tier vegetarisch zu ernähren. Die Teilnehmer fütterten vegetarische Kosten für eine Dauer von 6 Monaten bis etwa 7 Jahren. Dabei nutzten 39% ausschließlich Futter aus dem Einzelhandel, 9% kochten selbst und die restlichen 52% ergänzten ab und zu das gekaufte Futter mit frischen Nahrungsmitteln.

Unter den Katzenbesitzern war das Produkt „Amicat“ am beliebtesten (87%), gefolgt von unterschiedlichsten anderen, wie „Evolution Diet“ und Vegusto. Bei den Hundebesitzern waren die Futtermarken diverser. „Benevo“ fütterten 34%, „Ami Dog“ 33% und „Yarrah“ 22%. Auf Nahrungsergänzungsmittel verzichtete der Großteil (65%). Falls ja, wurde meist „Vegedog“, „Vegeyeast“ oder „Vegecat“ dem Futter zugefügt.

Die Besitzer gaben an, dass das Fell mehr glänzen würde und Hautprobleme mit der Futterumstellung verschwunden worden seien. Auch gaben manche an, dass der Geruch des Haustieres durch die vegetarische Ernährung angenehmer sei. 
20 Hunde und 15 Katzen der Umfrageteilnehmer wurden auch tierärztlich durchgecheckt. Alle waren in guter körperlicher Verfassung und abgesehen von einigen bereits bekannten und in Behandlung stehenden Erkrankungen wurden keine gravierenden Probleme gefunden. Auch der Bluttest war bei allen Tieren im Normalbereich. Kein Unterschied, insbesondere keine schlechteren Werte bezüglich Eisen und Vitamin B 12 wurden in veganen Hunden gefunden. Bei veganen Katzen zeigte sich ein etwas niedriger Wert an Folsäure. Keine Abweichungen von den Normalwerten wurden bei Katzen hinsichtlich Eisengehalt, Gesamtprotein und Vitamin B12 Gehalt gefunden.

Ergebnis Teil 2: Futtermittel-Tests von Semp (2014)

Auch inkludierte Semp (2014) eine Laboranalyse von den häufigsten genutzten veganen Futtermitteln. Darunter waren 3 veganen Hundetrockenfuttermitteln und die 2 am häufigsten gefütterten Nassfuttermittel für Hunde.

veganes Hundefutter-Test

i-am-vegan-artikel-3Unter den Trockenfuttermitteln enthielt sowohl „Ami dog regular size“ als auch „Ami dog small size“ zu wenig Kalium pro Kilogramm. Die restliche Nährstoffversorgung war ausreichend. Es muss dabei angemerkt werden, dass bei Einhaltung der empfohlenen Futtermenge jedoch alle Nährstoffe ausreichend aufgenommen werden. Bei „Yarrah organic“ war alles im grünen Bereich. Sowohl der Nährstoffgehalt war ausreichend pro kg als auch hochgerechnet auf die empfohlene Menge eines 20 kg schweren Hundes. Das vegane Nassfutter “Benevo Duo” hatte einen zu geringen Energie- und Kaloriengehalt. Bei “Ami wet” war der Zinkgehalt pro Kilogramm zu gering. Bei Beachtung der empfohlenen Futterration auf der Verpackung für das entsprechende Gewicht des Hundes werden aber ausreichend Nährstoffe aufgenommen.

veganes Katzenfutter-Test

Die häufigsten gefütterten veganen Katzennassfuttermittel waren „Ami cat“ und „Benevo Duo“. „Ami cat“ enthielt zu wenig Kalium pro Kilogramm, auch bei Hochrechnung der Futterempfehlung pro Gewicht der individuellen Katze. Es sollte also hier Kalium zugefüttert werden, obwohl die getesteten Blutwerte keine Defizite aufwiesen. „Benevo Duo“ enthielt hochgerechnet auf die empfohlene Futtermenge pro Tier zu schlechte Werte für den Energie- und Kaloriengehalt sowie zu wenig Rohprotein. Eine genaue Beobachtung des Gewichtes sowie der Vitalität der Katze ist also empfohlen. Ein Defizit in den Rohproteinen konnte in der Blutuntersuchung nicht gefunden werden. „Vegusto cat fix“ wies ebenso einen zu niedrige Energie- und Kaloriengehalt auf.

Bei den veganen Futtermitteln von Ami Petfood zeigte sich sowohl für Hunde und Katzen, dass hohe Angaben für Selen auf der Verpackung standen. Diese Überversorgung könnte Probleme an Leber und Milz verursachen. Ob dies lediglich ein Tippfehler war oder Tatsache ist konnte nicht geklärt werden, da das Unternehmen zu keiner klaren Stellungnahme bereit war. Die vielen gesunden Haustiere lassen ersteres vermuten (hoffen…).

Ergebnis Teil 3: selbstgekochte vegane Futtermittel (von Semp, 2014)

Selbstgekochtes vegetarisches Futter, das gemäß empfohlenen Rezepten hergestellt wurde, erfüllte zwar meistens die nährwertbezogenen Bedürfnisse, enthielt aber nicht ausreichend die Aminosäuren Methionin, Cystein, Natrium und Vitamin B12. Semp (2014) stellte auch fest, dass diese Ernährungsformen meistens die nährstoffbezogenen Bedürfnisse erfüllten und zu keinen klinischen Anomalitäten führten.

Fazit

Abschließend kann also gesagt werden, dass es durchaus möglich ist, dass Haustiere mit vegetarischer Kost überleben und das überaus gut und gesund. Genauso wie bei fleischlastiger Fütterung muss auch bei vegetarischer/veganer Ernährung der ausreichende Nährstoffgehalt berücksichtigt werden. Dazu kann Gewicht, Vitalität und Erscheinungsbild täglich Aufschluss geben. Außerdem sollen regelmäßig (jährlich) Checks beim Tierarzt stattfinden, wobei sowohl der äußere Gesundheitsstatus begutachtet, als auch Blut und Urin untersucht werden sollten. Sollte wirklich etwas nicht passen, kann so schnell reagiert werden.
Ob selbst vegetarisch/vegan gekocht wird bzw. welches vegetarische/vegane Futtermittel gekauft wird, müssen der Tierbesitzer und der Hund gleichermaßen entscheiden. Der Hund muss das Futter ja auch mögen und freiwillig fressen – das ist oft gar nicht so leicht.
Zur Vermeidung einer Unterversorgung einiger Nährstoffe kann unter verschiedenen Produkten gewechselt werden. Dies beugt langfristig auch die Verweigerung von Futtermitteln vor, wenn ein regelmäßiger Wechsel von klein auf geschieht. Die Übergänge zwischen den Futtersorten sollten immer graduell erfolgen – also dabei das alte Futter gemixt mit dem neuen anbieten, sodass sich der Hund an den Geschmack des neuen Futters gewöhnen kann.
Eine umfassende, variierende Ernährung wäre also genauso wie beim Menschen auch beim Hund sinnvoll.

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Referenzen
Gray, C. M., Sellon, R. K., & Freeman, L. M. (2004). Nutritional adequacy of two vegan diets for cats. Journal of the American Veterinary Medical Association, 225(11), 1670–1675. http://doi.org/10.2460/javma.2004.225.1670
Knight, A., & Leitsberger, M. (2016). Vegetarian versus Meat-Based Diets for Companion Animals. Animals, 6(57). http://doi.org/10.3390/ani6090057
Rothgerber, H. (2013). A meaty matter. Pet diet and the vegetarian’s dilemma. Appetite, 68, 76–82. http://doi.org/10.1016/j.appet.2013.04.012
Semp, P. G. (2014). Vegan Nutrition Of Dogs and Cats. Veterinärmedizinische Universität Wien.

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