Können Tiere sprechen? Konversation unter Delfinen…

Ob Tiere denn sprechen können ist eine beliebte Frage von Kindern. Die Erwachsenen antworten dann, dass Tiere nicht sprechen können und vor allem nonverbal kommunizieren. Sie erzeugen zwar Laute, die man zwischen Warnrufen, Paarungsrufen etc. unterscheiden kann, aber diese sind nicht mit der menschlichen Sprache vergleichbar. Einige höhere Tierarten, wie Schimpansen, können die Menschensprache erlernen und sich mit uns per Zeichensprache verständigen, aber miteinander reden, so wie wir, können Tiere nicht!

Doch: Tiere können miteinander sprechen!

Starke Hinweise darauf, dass Delfine eine gesprochene Sprache besitzen, haben russische Forscher entdeckt (Ryabov, 2016). Diese haben Große Tümmler, also die Delfinart, welche aus dem Film „Flipper“ bekannt wurde, genauer untersucht. Die beiden, also das Männchen Yasha und das Weibchen Yana, lebten bereits seit 20 Jahren in Menschenobhut in einem Delfinarium und hatten keine Probleme mit dem Gehör.

können Tiere sprechen

Wie „sprechen“ Delfine?

Schon seit den 60er Jahren wurde vermutet, dass die Laute der überaus sozialen Delfine, die oft relativ nah im Abstand von 2-14 Metern miteinander kommunizieren, eine Sprache sein könnte. Die vom Menschen als Pfiffe wahrgenommenen Töne besitzen unterschiedliche Frequenzen und Aneinanderreihungen. Eine Theorie zur Kommunikation zwischen Delfinen (welche mit zahlreichen Untersuchungen bestätigt wurde) besagt zum Beispiel, dass sie ihren Artgenossen mitteilen wer sie sind und wo sich andere Delfine aus der sozialen Gruppe befinden.

Mittels der neuen Technik ist es nun möglich die akustischen Signale von zwei Delfinen gleichzeitig bei einem „Gespräch“ aufzuzeichnen und so klar zu unterscheiden, wer was „sagt“. Die Delfine erzeugen unterschiedliche Laute. Jene, die nicht zum Sonar benutzt werden, werden als Konversation vermutet. Dies sind Gruppen von nicht zusammenhängen Pfiffen, bei denen sich Wellenformen und Spektren der einzelnen „Worte“ unterscheiden.

Kommunikation in Sätzen zwischen Delfinen

Die Studie von Ryabov (2016) ist die erste, die isolierte Signale auf einen speziellen Delfin zuweisen kann. Die Ergebnisse zeigen, dass Delfine Sätze aus einigen Wörtern formten indem sie Pfiffe aneinander reihten. Diese Aneinanderreihungen werden als Signale einer hoch entwickelten Sprache von Delfinen angesehen, ist die klare Schlussfolgerung der Forscher. Der Austausch von diesen Sätzen erinnert stark an die Konversation zwischen zwei Menschen. Die Delfine bildeten nacheinander immer wieder einige Pfiffe. Dabei unterbrachen sie sich auch nicht gegenseitig im „Gespräch“. Das lässt die Vermutung aufkommen, dass der andere Delfin die Töne des anderen zuerst verarbeitet, bevor er antwortet.

Delfine intelligente Tiere

Sprache im Detail

Um die Rolle der jeweiligen „Sätze“ zu analysieren wurden 50 Pulse näher betrachtet. In jedem „Satz“ wurde kein Puls doppelt verwendet, was darauf hinweist, dass jeder Puls ein Wort des Satzes ist. Die Sprachlaute werden im Unterschied zum Menschen, der Pausen macht, direkt aneinander gereiht. Da die Sprache der Delfine nicht im Hörbereich des Menschen liegt, ist die Forschung auf findige Erfindungen angewiesen. Die Sprache der Menschen fällt in den unteren Frequenzbereich der Delfine und die Hörfähigkeit ist durch das Wasser nochmals abgeschwächt. Experimente zeigten aber, dass Delfine neue Kommandos in 5-Wort-Sätzen sowohl per Zeichensprache, als auch vom Trainer ausgesprochen, verstehen und interpretieren konnten. Dies bestätigte die Tatsache, dass die An- und Abwesenheit dazugehöriger Objekte im Wasserbecken angezeigt werden konnten.

Fazit

Das alles weist auf ein überaus gut ausgeprägtes Bewusstsein der hoch entwickelten Säugetiere hin mit einer gesprochenen Sprache. Aufgrund der Anordnung der „Wörter“ wird eine Funktion der Tonlaute und eine grammatische Struktur vermutet. Mehr Forschung auf diesem Bereich ist nötig, um sich irgendwann vielleicht einmal mit einem Delfin unterhalten zu können und die Barrieren der Spezien zu überwinden. Dass dies dringend nötig wäre, zeigen die immer wieder an Stränden angeschwemmten gehörlosen Delfine. Die Ursache für die Strandungen bleibt unklar, der Meereslärm durch Schiffsmotoren udgl. könnte ein Grund sein. Ein offenes Gespräch mit „Flipper“, bevor wir sie vollkommen ausgerottet haben, würde eindeutig helfen.

Ausblick

Aber auch andere Kommunikationsformen sind bei Mensch und Tier üblich. Zum Beispiel nonverbale Kommunikation mittels Körpersprache, Augenkontakt und Gesten. Die Kommunikation ist eine interessante Sache. Mehr zum Thema, wie Menschen zum Beispiel mit Pferden „sprechen“ im Artikel Frag‘ dein Pferd!? Kommunikation via Symbol-Sprache.

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Referenzen
Ryabov, V. A. (2016). The study of acoustic signals and the supposed spoken language of the dolphins. St. Petersburg Polytechnical University Journal: Physics and Mathematics, 0, 1–9. http://doi.org/10.1016/j.spjpm.2016.08.004

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