Forscher als Ziege in den Alpen und die Flüchtlinge bei uns…

Die heutige Schlagzeile „Forscher lebte als Ziege in den Alpen“ hat meine Aufmerksamkeit geweckt. Das skurrile Foto eines Mannes mit Huf-Prothesen an Händen und Beinen neben einer Ziege machte die Schlagzeile perfekt. Zuerst dachte ich mir, dass meine Verhaltensforscher-Kollegen anscheinend jetzt schon ganz verrückt sind. Was sollen nur die Leute von uns denken!? Nach genauerer Recherche stellte sich heraus, dass dieser Thomas Thwaites ein Designer ist. Ja, Kunst-Menschen machen sowas…

Skurrile Idee als Ziege zu leben eigentlich bewundernswert

Meine ersten negativen Eindrücke verwandelten sich jedoch in Bewunderung. Thomas Thwaites dachte sich beim Beobachten eines Hundes, dass das Leben eines Tieres doch viel problemloser wäre. Keine Sorgen, keine Ängste, einfach leben. Kurzerhand entschied er das Leben aus tierischer Sicht ausprobieren zu wollen. Nachdem sein erster Plan, ein Elefant zu werden, scheiterte, wollte er eine Ziege werden.

Verhaltensforscher klärten ihn über die Lebensweise von Ziegen auf. Auch darüber, dass Ziegen auch negative Emotionen erleben und nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen wäre. Eifersucht, Frustration aus Hunger und Streitereien mit den ziegenhaften Kumpels gibt es zum Beispiel auch im Ziegenleben. Auch wenn man diese nicht als echte Sorgen bezeichnen kann, sind es doch Probleme, die deren Stimmung beeinflussen.

Der Designer beschrieb seine gemachten Erlebnisse als beeindruckend und fand das gemeinsame Abhängen mit den „anderen Ziegen“ am schönsten. Thomas Thwaites nahm Einblick in das soziale Leben der Ziegenherde und konnte sich besser vorstellen, was diese fühlen und welche tagtäglichen Herausforderungen sie meistern müssen. An der Fortbewegung auf den vier Beinprothesen müsse er noch üben, meinte er.

Andere Sichtweise - andere Lebensanschauungen besser verstehen

Dieses Experiment von Thomas Thwaites zeigt gut auf, dass eine andere Lebensanschauung die eigene Sichtweise verändert. Wenn man gefühlt hat, wie der andere sieht, kann man besser Empathie entwickeln. Empathie ist auf allen Lebenslagen wichtig. Sei es nun für ein Tier, das eine ganz andere Perspektive auf das Leben hat, oder aber auch für andere Menschen, die durch ihre gemachten Erfahrungen womöglich eine ganz andere Lebensauffassung haben. Ein Beispiel hierzu sind die vielen Flüchtlinge, welche in ihren fernen Ländern ganz anders lebten und dadurch geprägt wurden – andere Länder, andere Sitten.

Die Unterschiede aus Tierperspektive zum Menschsein sind gravierend: zum Beispiel sind die Sinne anders verlagert - manche sehen besser bei Nacht, einige nur vage in der Ferne, die Farben werden anders gesehen, um nur einige Punkte zu nennen. Ein wichtiger, banaler Punkt, der jedoch oft übersehen wird, ist das Blickfeld aus Tierperspektive. Da die Augenpaare viel tiefer angeordnet sind, sehen Tiere oft einfach etwas nicht oder ganz anders. „Such das Balli, da liegt es doch…!“, schreit der Hundebesitzer und wundert sich über den dummen Hund. Liegt das Balli doch klar sichtbar dort drüben. Wenn das Balli aber irgendwo hinter einem kleinen Hügelchen im tiefen Gras liegt, womöglich noch in einer Farbe, die Hunde nicht so gut sehen, muss der Vierbeiner sich mehr auf seinen Geruch verlassen. Da ist das verdammte Balli nicht so leicht zu finden.

Leseprobe auf Amazon

Die Leseprobe auf Amazon hat mich überzeugt, ich werde mir das Buch von Thomas Thwaites Erfahrungen als Ziege in den Alpen kaufen und versuchen mich in Zukunft mehr in andere (Menschen und Tiere) hineinzuversetzen, wenn auch nicht so radikal wie er!

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