Katze markiert/ist stubenunrein – was tun?

Verhaltensproblem Stubenunreinheit?

Stubenunreine Katzen bringen viele Katzenbesitzer zur Verzweiflung. Dieses Thema gehört nicht nur zu den häufigsten Fragen an Verhaltensexperten, sondern ist auch einer der Top Abgabegründe. Es gibt grob betrachtet drei große Gründe für das Problem der Stubenunreinheit: Einerseits können gesundheitliche Probleme vorliegen, andererseits kann es aber auch ein Markierverhalten sein oder ein generelles Toilettennutzungsproblem.

katze macht neben katzenklo

Markieren vs. Stubenunreinheit

Markieren und Stubenunreinheit unterscheiden sich grundlegend in Ursache, als auch Form: 

Markierverhalten 

ist eine Kommunikationsform, welche sowohl in weiblichen als auch männlichen Tieren gezeigt wird. In einer Freilandstudie zeigte sich, dass Katzen, die Urinmarkierungen eher an vielbegangen Wegabschnitten setzen, als an den Randzonen ihres Territoriums, also nicht das Ziel haben, Eindringlinge abzuschrecken, sondern individuelle und aktuelle task-1528002_640Informationen weiterzugeben. Auch in der Haushaltung befinden sich Urinmarkierungen an sozial wichtigen Plätzen, wie nah bei Fenstern oder Türen bzw. an Dingen, die den Geruch bestimmter Personen/Tieren besitzen. Markierungen geben also Auskunft über Territorium, Angst/Stress und Status hinsichtlich der Sexualität und im Sozialgefüge. Unstimmigkeiten auf einem/mehreren dieser Bereiche wirken positiv auf das Auftreten von Markierverhalten. Kastrierte Tiere markieren in der Regel weniger, deswegen wird oft bei Problemen zur Kastration geraten.

Beim Markieren zeigt die Katze ein spezielles Verhalten:

Zuerst riecht sie meist am zu markierenden Objekt, knetet den Boden mit den Pfoten und dreht das Hinterteil in Richtung Ziel. Der Schwanz ist dabei nach oben gerichtet und kann kurz zittern, wenn das normalerweise vertikale Objekt mittels eines kurzen Urinstrahls besprüht wird. Kein Kratz- oder Zugrabeverhalten wird gezeigt. Markierverhalten in einer hockenden Position wobei Kot oder Urin abgesetzt wird, ist seltener, sollte aber auch als solches in Erwägung gezogen werden, wenn dies an sozial markanten Orten stattfindet.

poop-311256_640Stubenunreinheit

Bei Stubenunreinheit liegt oft ein Gesundheitsproblem, eine Abneigung und/oder Bevorzugung von Faktoren bezüglich der Katzentoilette (siehe dazu auch Artikel Katzenstreu und -toilette) vor, kann aber auch aus Angst vor anderen Katzen passieren. Dabei macht die Katze aufgrund der Not der vollen Blase bzw. des Darms daneben. Im Gegensatz zum Markierverhalten, wo der Untergrund (also ob Teppich, Fliese etc.) beim Setzten der Geruchsmarke scheinbar keine Bedeutung hat, hat dies sehr wohl Auswirkungen bei der Erleichterung an unpassenden Stellen, da die Katze mit dem Platz oder Beschaffenheit der eigentlichen Toilette nicht zufrieden ist und nach besseren Alternativen sucht.

Aggressionen unter Katzen als Ursache für Markierverhalten und Stubenunreinheit

Aggressionen unter Katzen sind nicht immer erkennbar. Offensichtliche Aggressionen sind klare feindselige Handlungen, wie Attacken und Kämpfe, es gibt aber auch Vorzeichen, wie ein ausgeprägtes Starren auf den Artgenossen, Fauchen, Pfotenhiebe auf die andere Katze, Katzenbuckel, Aufstellen der Haare am Rücken, Schwanzschlagen. Außerdem sind dabei die Ohren an den Kopf nach hinten angelegt und die Augen weiter aufgerissen als normal. Die aggressive Katze kann ihren Status durch Markieren mittels den Duftdrüsen am Kinn oder Urinmarkierungen verdeutlichen.

Bei der verdeckten Aggression versucht die dominante Katze die submissive (unterwürfige) Katze von Ressourcen, wie Futter und Wasser, dem Katzenklo und dem Schlafbereich fernzuhalten. Dazu kann auch das Verhindern von menschlicher Zuneigung zählen. Die dominante Katze kann hier auch wieder durch Markieren ihren Status verdeutlichen, was dazu führt, dass die Untergeordnete diese Stellen meidet und sich an anderen Stellen des Hauses erleichtert, falls die Katzentoilette von der anderen monopolisiert wird.

Feliway Stubenunreinheit Markierverhalten

Markierverhalten und Pheromone

Bei der Katze sind 5 Gesichtspheromone bekannt (F1 bis F5), welche ihren Ursprung in Kinn, Lippen, Tasthaare und Wangen haben. Für drei dieser Pheromone (F2, 3 und 4) ist die Funktion bekannt, nämlich im weitesten Sinne der Einfluss auf territoriales Markierverhalten. Pheromone sind auch anderorts, wie z.B. auf der Fußsohle vorhanden, welche mit den territorialen Kratzmarkierungen abgegeben werden. Auch münden in der Katze die Analbeutel direkt in das Rektum, der Kot wird also ebenso mit Pheromonen als Kommunikationsmittel überschüttet.

Beim Reiben des Gesichtes am Objekt werden die Pheromone aufgetragen. Bei diesem Verhalten reibt die Katze ihren Kopf beginnend von der Seite des Kinnes bis hinauf zum Ohr am Objekt. Beide Geschlechter zeigen dieses Verhalten, die Häufigkeit ist individuell verschieden. Die Gesichtsmarkierungen können mit Urin und Kratzverhalten (zur optischen, als auch geruchlichen Untermauerung) verdeutlicht werden. Nicht nur die Spuren sind von Bedeutung, auch die Aktion selbst verleiht mehr Ausdruck, da dieses Verhalten oft auch demonstrativ vor Artgenossen gezeigt wird. 

stroke-247582_640Wichtige Pheromone der Katze

F2 bezieht sich auf sexuelles Markierverhalten in Katern, F3 ist ein Antagonist von Urinmarkierungen und Kratzmarkierungen. Es scheint Gegenstände in bekannt/unbekannt einzuordnen bzw. ein emotionales Gleichgewicht auszustrahlen. F4 dient als Botschaft an bzw. direkt auf Artgenossen/andere Spezies incl. des Menschen. Das Pheromon F4 wird an jene Individuen durch Anschmiegen angebracht, welche als soziale Gruppenmitglieder gesehen werden und reduziert die Wahrscheinlichkeit einer aggressiven Handlung diesen gegenüber. Es ist außerdem der  Antagonist von Territorialverhalten und Aggression.

Aufnahme der Pheromone

Pheromone werden wissenschaftlichen Studien zufolge in vielen Wirbeltierarten mittels des sogenannten “Vomeronasalen Organs” (oder auch Jacobson´sche Organ) wahrgenommen. Die winzigen Eingänge dazu befinden sich bei der Hauskatze direkt hinter den Schneidezähnen am Gaumen. Beim Flehmen, wobei die Katze das Maul leicht öffnet und die Mundwinkel zurückzieht, werden besonders interessante Pheromone, wie Urin- oder Gesichtsmarkierungen, aufmerksam „gelesen“. Entgegen alten Vermutungen wird das Flehmen nicht nur im Kontext zu Sexualität eingesetzt.

Über den Riechkolben wird die Information des Pheromons direkt an die Amygdala, dem Teil des Gehirnes, der für Emotionen zuständig ist, weitergeleitet. Das Pheromon bindet in der Regel an ein Protein und kann so auch 3 Wochen noch nachgewiesen werden.

Pheromon-Therapie Feliway und Felifriend

Da Katzen also in einer Welt voller chemischer Kommunikation leben, ist es nah, dass Pheromone (gepaart mit langfristigen Management- und Haltungsverbesserungen) gezielt eingesetzt werden können und sollen, um das Leben in Menschenobhut bei Problemen zu erleichtern.

Feliway

Feliway ist der synthetische Analog des Gesichtspheromons F3 der Hauskatze. Es kann als Umgebungsspray direkt auf den Bereich der markierten Stelle, als auch auf prominente Plätze der Katzen gesprüht werden, um diesen neu positiv zu behaften. Alternativ kann auch ein elektronischer Verdampfer verwendet werden, der eine konstante langsame Diffusion der Pheromone im Raum sichert.

Feliway hilft Studien zufolge, wenn...

Bei Katzen, die Markierungen aufgrund des Sexualtriebes,  als auch als Reaktion auf Umgebungsänderungen zeigten, nahmen die ungewünschten Urin- und Kratzmarkierungen nach einem Monat Anwendung signifikant ab. Da Katzen normalerweise nicht Plätze markieren, an denen sie diese Gesichtsmarkierung (für das Wohlfühlen in der Umgebung) gesetzt haben, kann das Pheromon Feliway als Antagonist zum Urinmarkierverhalten gesehen werden. Aber auch positive Verhaltensweisen, wie Gelassenheit und Spielverhalten nahmen laut dieser Studie zu. Es erwies sich des Weiteren, dass eine Angstreduktion während des Transportes der Katze, als auch bei furchteinflößenden tierärztlichen Behandlungen stattfand und es positiv auf das emotionale Gleichgewicht wirkte.

Feliway hilft nicht, wenn...

Keine vollkommen erfolgsversprechende Wirkung hat das Pheromon Feliway bei Katzen, die offensichtliche Aggressionen ihren Artgenossen gegenüber zeigen. Dies ist nicht verwunderlich, da Pheromone eine Form der chemischen Kommunikation sind, welche dabei helfen, dass die Katze sich sicher fühlt, was aber bei einer sichtbaren Aggression einer anderen Katze natürlich nichts nützen kann. Das richtige Pheromon muss gewählt werden und zur richtigen Zeit am richtigen Ort ausgeschüttet werden, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten.

Feliway friends

Das zweite synthetische Gesichtspheromon der Katze ist Feliway friends, das dem Pheromon F4 gleicht. Es bewirkt einen positiveren Umgang mit Artgenossen/anderen Spezies incl. des Menschen. Wenn ein unbekanntes Tier damit eingesprüht wird, sollte es also mehr als Teil der Familie angenommen werden. Ein friedvollerer Umgang mit neuen Katzen in der Familie sowie eine Reduktion der Aggressivität bei Interaktionen mit Menschen sind häufiger. Dieses passt also eher bei Aggressionen zwischen den Katzen.

Erfolgreich therapiert!?

Der Erfolg äußert sich bei beiden Pheromon-Produkten direkt im Verhalten: Es wird vermehrt Markierverhalten mit dem Gesicht gezeigt. Falls Gesichtsmarkierungen nicht stattfinden, kann eine einmonatige längere Anwendung zum Erfolg führen.

Fazit: Markierverhalten entschärfen und umleiten

Abschließend kann gesagt werden, dass die richtigen Pheromone in der richtigen Situation helfen können, aber für einen nachhaltigen Erfolg auch eine Haltungsverbesserung erfolgen muss. Neben der unterstützenden Pheromon-Therapie sollte  z.B. bei Aggressionen zwischen Katzen eine Umgebung im Überfluss erschaffen werden, um Streitigkeiten zu verhindern. Ausreichend Rückzugs- und Gebrauchsgegenstände (wie Schlafplätze, Toiletten und Futterplätze) sind also nötig. Außerdem kann versucht werden Urinmarkierverhalten in akzeptablere alternative Markiervarianten, wie z.B. durch Anbieten von Kratzbretter zum Kratzen oder Bürstenaufsätzen zum Setzen von Gesichtsmarkierungen, umzuleiten und verbliebenen Urin-/Kotgeruch mithilfe eines enzymatischen Reinigers vollständig zu entfernen.

Referenzen

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