Was brauchen Fische für ihr Wohlbefinden!?

Hobby-Aquarianer und Fischwohl

Millionen von Fischen werden zur Dekoration des Raumes in Aquarien gehalten und sorgen als Nebeneffekt sogar zur besseren Gesundheit des Menschen. Studien haben gezeigt, dass ein Fischaquarium für mehr Wohlbefinden des Menschen sorgen kann.
Richtige Haltung und etwaige Verhaltensprobleme kommen selten zur Sprache. Eine artgerechte Gestaltung der Lebensumgebung sollte auch für Zierfische gewährleistet sein, da auch Fische komplexe Tiere mit hoch entwickeltem Verhalten sind und Studien bestätigt haben, dass auch Fische leidensfähige Tiere sind. Falsche Haltung kann zu chronischem Stress führen. Dies kann sich in einer erhöhten Anfälligkeit für Erkrankungen, aber auch in abnormalem Verhalten, wie eine erhöhte Aggression, stereotypen Verhaltensweisen oder in Teilnahmslosigkeit (z.B. inaktiv am Boden) äußern. Bei der Haltung von Aquariumfischen muss auf Fütterung, Aquariumeinrichtung, Bodengrund, Beleuchtung, Wassertemperatur, Filtration und Wasserqualität geachtet werde, um ihnen ein artgerechtes Leben zu ermöglichen.

Fischverhalten im Aquarium

Zum arttypischen Verhalten zählt Explorationsverhalten, wie Schwimmen (langsames Bewegen durch das Wasser mit wellenförmigen Körperbewegungen unter Einsatz der Flossen), Erforschen (von Strukturen wie Pflanzen oder Tontöpfen mit dem Maul) und Schweben (sehr langsame Fortbewegung mit kaum bewegenden Flossen).
Futtersuche und -aufnahme, Gründeln (Absuchen des Bodengrundes nach Futter, dabei Kopf nach unten, Schwanzflosse nach oben), das Pflücken von Pflanzen (fressen von Pflanzenstücken) und Raspeln (Algen von der Glaswand fressen). Gerastet wird inaktiv (bewegungslos) und Lokomotion äußert sich durch schnelles Schwimmen.

Sozio-positives Verhalten ist einerseits das Schwimmen in der Gruppe (mindestens 3 Fische wechseln gemeinsam die Schwimmrichtung), das Folgen (Fisch schwimmt nah hinter anderem, wobei kein dritter involviert ist), andererseits aber auch die Annäherung (Fisch schwimmt direkt auf einen anderen zu, wobei die Distanz weniger als eine Körperlänge beträgt). Zu den sozio-negativen Verhaltensweisen zählen das Drohen (Fisch befindet sich parallel oder antiparallel nah an einem anderen, Flossen sind aufgestellt), Attackieren (Fisch bewegt sich auf einen anderen mit schneller Geschwindigkeit zu, der Artgenosse schwimmt davon), Verteidigen (Fisch verjagt Artgenossen von einer Ressource) und die Flucht (Fisch flieht vor Artgenossen).

Beim Balzverhalten wird teilweise eine Parallelisierung gezeigt, wobei der Fisch mit aufgestellten Flossen nah neben dem Artgenossen in dieselbe Richtung schwimmt (kein dritter Fisch ist involviert), außerdem das Vorausschwimmen (Fisch schwimmt vor Artgenossen, der die Flossen aufgestellt hat, vorne weg) und das Nachsetzen (Fisch folgt Artgenossen mit aufgestellter Flosse). Beim Komfortverhalten kann man das Reiben einer Körperseite des Fisches am Boden beobachten. Zur bekanntesten Stereotypie zählt, wie bereits erwähnt, das monotone hin und her Schwimmen.

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Fütterung

Um die Fische regelmäßig zur Futtersuche zu motivieren, sollte darauf geachtet werden, dass das angebotene Futter ab und zu gewechselt wird und dem natürlichen Lebensraum entspricht, um die Fütterung für die Fische abwechselnd und spannend zu behalten. Dazu kann auch ein Wechsel von Ort und Zeitpunkt der Fütterung zählen. Hierzu kann zum Beispiel ein Futterautomat zur mehrmaligen Fütterung pro Tag programmiert werden.

Aquarium und -einrichtung

Eine Schweizer Forschungsgruppe (Kistler et al., 2011) untersuchte in Zebrafischen (Danio rerio) und Eilandbarben (Puntius oligolepis), ob diese Arten Präferenzen für einen strukturierten Lebensraum besitzen. Der natürliche Lebensraum von Zebrafischen ist der Bereich des Flachwassers mit Wasserpflanzen und schlammigen Untergrund. Eilandbarben leben in freier Natur in mit Unterwasserpflanzen bewachsenen Bachbänken.
Ein großes Aquarium wurde in 3 Teile unterteilt. Die Fische konnten zwischen einem leeren Bereich, einem Bereich mit Pflanzen und Tontöpfen sowie einem Bereich, wo Futter angeboten wurde, wählen. Beide Fischarten zeigten Tendenzen einen strukturierten Lebensraum zu bevorzugen.

Im Experiment zeigten beide Fischarten eine Präferenz für den strukturierten Raum. Strukturelles „Enrichment“ ist bekannt dafür, aggressives Verhalten und Monopolisierung von Futtermitteln in Zebrafischen zu vermindern. Darüber hinaus war das Futtersuchverhalten im leeren Abteil des Aquariums auf den Bodengrund und die Glasflächen gerichtet, da Strukturen zum Forschen fehlten. Außerdem wurde nur hier stupides hin und her Schwimmen als Stereotype identifiziert. Die Diversität des Verhaltens machte jedoch keinen Unterschied zwischen komplexem und leerem Raum, wobei sie aber auch frei wählen konnten.

Welche strukturelle Einrichtung im Aquarium?

Es ist also wichtig Struktur als Rückzugsort anzubieten. Auch wenn Fische im Aquarium keine Angst vor Prädatoren haben müssten, brauchen sie die Möglichkeit Schutz zu suchen – eine Rückzugsmöglichkeit ist also ein verhaltensbezogenes Grundbedürfnis. Es zeigte sich, dass Goldfische natürliche Rückzugsorte, wie Pflanzen, vor künstlichen Barrieren bevorzugten, da diese ihnen auch die Ausschau nach möglichen Prädatoren verhinderte.

Ob Goldfische natürliche Pflanzen vor künstlichen bevorzugen, analysierte eine australische Forschungsgruppe (Sullivan et al., 2016) mittels Präferenztest. Die Goldfische schwammen im Versuchsaufbau öfter gegen eine Wasserströmung für einen Bereich mit Pflanzen an, als für einen leeren. Dabei war egal, ob die Pflanzen echt oder künstlich waren. Aquarienbesitzer dürfen also nach ihrem eigenen Geschmack wählen, ob sie echte oder künstliche Pflanzen im Aquarium haben möchten. Der Vorteil der echten Pflanzen ist, dass sie zur natürlichen Wasserfiltration beitragen, ein Nachteil, dass sie nachts mehr Sauerstoff verbrauchen als sie selbst produzieren können und somit ausreichend Sauerstoffzufuhr gewährleistet sein muss.

Regelmäßiger Wechsel von Teilen der Einrichtungsgegenstände kann die saisonalen Veränderungen des natürlichen Lebensraumes widerspiegeln, sie dazu animieren mehr Explorationsverhalten zu zeigen und Territorien neu zu gestalten. Dabei sollte natürlich auf die Fischart geachtet werden - Kampffische leben zum Beispiel in einer immer gleichbleibenden Umgebung und können durch zu häufige Veränderungen gestresst werden.

 

Größe des Aquariums für das Fischwohl

Eine wichtige Erkenntnis aus dem Versuch war auch, dass die Fische sogar für das leere Abteil den Mehraufwand durch die Gegenstromanlage in Kauf nahmen, nur zum Zweck der Exploration. Dies zeigt deutlich, dass Fischen genauso wie allen anderen Tierarten ausreichend Platz geboten werden muss, um ihrem Bewegungsbedürfnis nachzukommen. Die Größe ist eine der wichtigen Komponenten, wenn entschieden wird, welche Tierart in ein Gehege kommen soll. Nicht nur Länge und Breite sind wichtig, auch die Tiefe und das Wasservolumen sind maßgebend. Nur eine ausreichende Größe des Aquariums erlaubt es, den Fischen ihr natürliches Verhalten ausleben zu lassen, und frei von Stress und Unbehagen zu sein.

Gruppenzusammensetzung und –größe als wichtiger Faktor

Ein weiterer Punkt, auf den der Aquariumbesitzer achten muss, ist die Gruppenzusammensetzung und die Anzahl der jeweiligen Fischarten. Eine weitere Studie (Sloman, Baldwin, McMahon, & Snellgrove, 2011), in der die Gruppenhaltung von verschiedenen häufig gehaltenen Zierfischen untersucht wurde, zeigte, dass sowohl die Spezieszusammensetzung, als auch die jeweilige Gruppengröße das Verhalten und Wohlbefinden der Fische beeinflusst. Je nach Zusammensetzung wurde das angebotene strukturierende Material als Rückzugsort vor Angreifern, aber auch als Ressource, die es wert war, verteidigt zu werden, genutzt.
Die Segelflosser (Pterophylum scalare) waren generell an Orten mit hohem strukturellen Angebot häufiger zu beobachten, als die Kardinal- (Tanichthys albonubes) und Neonfische (Paracheirodon innesi). Die Gruppengröße hatte aber wiederum einen Einfluss auf die Nutzung des strukturellen Angebotes:  Erhöhte sich die Gruppengröße der jeweiligen Spezies führte dies zu einer Schwarmbildung und dadurch war die strukturelle Rückzugsmöglichkeit nicht mehr so wichtig.

Fazit

Der Lebensraum „Aquarium“ der Zierfische sollte der des natürlichen Lebensraumes der jeweiligen Fischart möglichst ident sein. Das Beobachten und Analysieren der Verhaltensweisen der Fische kann Aufschluss geben, wo Probleme liegen und was verbessert werden könnte. Mit dem Hobby „Aquarium“ sollte dies aber für Aquarianer wohl mehr Freude, als Pflicht sein.

Referenzen

Corcoran, M. (2015). Environmental enrichment for Aquatic Animals, 18, 305–321. http://doi.org/10.1016/j.cvex.2015.01.004
Kistler, C., Hegglin, D., Würbel, H., & König, B. (2011). Preference for structured environment in zebrafish (Danio rerio) and checker barbs (Puntius oligolepis). Applied Animal Behaviour Science, 135(4), 318–327. http://doi.org/10.1016/j.applanim.2011.10.014
Sloman, K. A., Baldwin, L., McMahon, S., & Snellgrove, D. (2011). The effects of mixed-species assemblage on the behaviour and welfare of fish held in home aquaria. Applied Animal Behaviour Science, 135(1-2), 160–168. http://doi.org/10.1016/j.applanim.2011.08.008
Sullivan, M., Lawrence, C., & Blache, D. (2016). Why did the fish cross the tank? Objectively measuring the value of enrichment for captive fish. Applied Animal Behaviour Science, 174, 181–188. http://doi.org/10.1016/j.applanim.2015.10.011

 

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